Gerade habe ich 'World Shaker' von Richard Harland gelesen. Ein Roman, dessen Hintergrundidee gewaltige Megalomanie alptraumhafter Maschinerie in bedrückender Enge mit gloreichem Steampunk
zu vernknüpfen verheißt.
Der Roman ist ganz ok, jedoch leider nichts von dem was er verheißt.
Obwohl ein waschechtes Steampunk Setting, gelingt es dem Autoren weder dieses obskure Gefühl zahnradiger und messingglänzender Maschinenhaftigkeit echten Steampunks zu erzeugen, noch die würdevoll gediegene, den schier endlosen Möglichkeiten der Technologie huldigende Athmosphäre des viktorianischen Zeitalters heraufzubeschwören. Was bleibt ist eine dünne Schicht Messing und schlecht poliertes Furnier über einem Fundament aus SciFi und Dystopie.
Die beworbene, düstere, beengte Umgebung der Höllenmaschine bleibt, bis auf wenige Seiten, abstrakt. Und auch in ihrem kurzen Auftritt bleibt diese in ihrer Ausarbeitung schemenhaft. Große Blöcke und sinnfrei montiere Gefarenquellen bleiben die ganze Maschine.
Die ins extreme übersteigerte Darstellung einer dystopischen, morbid degenerierten Gesellschaft und systematischer Unterdrückung ist dann auch in ihrem Drang zu verschrecken meist eher lächerlich als unheimlich.
Übrig bleibt eine durchaus spannende Revolutionsgeschichte für Kinder in einer ausgefallen Welt.
Mit Zahlen hat es der Autor nicht so ganz. Der "Worldshaker" ist, laut Angaben im Buch und auf der Webseite etwa 4000m lang, 1100m breit und 450m hoch. Dabei soll er 3.1 Millionen Tonnen wiegen und weniger als 13000 Menschen beherbergen. Er bewegt sich auf 340 Walzen über Land.
Damit hat der Worldshaker, grob gerechnet, gut das 1600fache Volumen des modernen Luxusliners Queen Mary 2.
Man kann wohl durchaus annehmen, das die Dichte des Worldshakers, eines Dampfgetriebenen Kriegsgerätes aus Stahl, kaum niedriger sein dürfte als die dichte dieses modernen Luxusliners. Eine gleiche Dichte angenommen, hätte der Worldshaker eine Masse von 127.000.000 Tonnen statt 3.000.000 Tonnen. Eher deutlich mehr, bedenkt man die Unterschiede in Bauweise und Panzerung. Auf jeder Walze lasten dann über 370000 Tonnen.
Mal angenommen, das Verhältniss von Volumen zu Besatzungszahl wird durch die Technologiesche Differenz um den Faktor 5 schlechter. Der Worldshaker dient nicht nur dem Vergnügen, sondern auch als Stadt und kann auch kämpfen, was das Verhältnis nochmals um den Faktor 5 verschlechtert, ingesamt also um den Faktor 25. Wieder gemessen an der Queen Mary 2 sollte die Besatzungsstärke eher 270000 als 13000 betragen.