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Am Tag als der Drachen starb

0mark @ 31.07.2002
Er war ein Held, groß und schön; edel und gut. Sein langes, goldenes Haar schimmerte in der Sonne, und wie Diamanten funkelte seine Rüstung. Seine Hand war stark, und scharf sein Schwert. Sein Schild war ehern, und wie aus Felsgestein gehauen trotzte er noch jedem Sturm. Kriege hatte er gewonnen, und Heldentaten begangen wohin sein Weg ihn auch führte. Im ganzen Land, und weit darüber hinaus sang man von seinen Taten in den Gasthäusern und an den Tafeln der Könige. Den Schwachen reichte er noch immer seinen starken Arm, und Ritterlich schlug er einen jeden seiner Kämpfe. Selbst Könige sprachen zu ihren Söhnen: "Sehet! Dies ist ein wahrer Held! Werde auch du so wie er!"

Nur eines gab es, das dem Helden seinen Ruhm schmälerte, das seinen Glanz wie ein Schatten bedeckte. Eine Heldentat, die er nicht begangen, und die doch jeder wahre Held zu leisten gefordert sein sollte: Nie hatte er einen Drachen erlegt. Denn viele große Helden hatten dieses Land geehrt, und alle Drachen waren schon lang erschlagen worden, und so resignierte schließlich der Held. Er besiegte Herausforderer ohne Müh, und erschlug viel böses Getier und den bösen Magier vom
Walde und auch die schwarze Hexe der Nacht. Doch keinen Drachen erschlug er, und schon begann man ihn zu vergessen.

Doch eines Tages lief Unruhe durch das Volk, denn man sagte, leise, und hinter vorgehaltener Hand, im Süden, dort wo die Sonne heiß brennt und nur wenig Menschen ihr kärgliches Dasein fristen, dort in der Einöde solle ein Drache sein Unwesen treiben. Und so machte sich der Held auf, seinen größten Kampf zu fechten, und zu sterben oder zum wahren Helden zu werden.

Viele Tage reiste er, und suchte den Drachen. Durch Dörfer und Städte kam er, und je weiter er nach Süden kam, desto furchtsamer wurden die Menschen. Und eines Tages kam er in ein kleines Dorf, so weit im Süden das selbst der König kaum an diese Lande dachte. Die Bürger waren voller Furcht, und wenige waren noch verblieben, die meisten Tot, verzehrt vom Drachenfeuer wie auch vieles andere im Dorf, und einige geflohen. Doch die, die zu alt und zu schwach zum fliehen waren, erzählten dem Helden von den Greueltaten des Drachen. Und einer von ihnen, ein weiser Mann, gebeugt vom alter doch von starkem Geist, war ihm gefolgt und wusste ob seines Hortes.

Und so machte der Held sich auf die Suche, den Drachen zu finden und den Tot der Dorfbewohner zu Rächen und seinen Weg in die Hallen der ewigen Helden zu finden.

Drei Tage wanderte er unter der sengenden Sonne, und zwei Nächte unter dem fahlem Mond, denn nun war er auf der Jagd, und durch nichts wollte er sich bremsen lassen. Und am Abend des dritten Tages sah er die Höhle des Drachen. Wie das Maul einer Schlange aufgerissen und schwarz wie die Nacht war der Eingang zu des Drachen Hort, und ein Gestank wie tausend Dämonen der Hölle zog aus diesem Schlund hervor. Und der Held rastete im kargen Schatten eines verkrüppelten, toten Baumes, den Rest der dritten Nacht und den vierten Tag.

Das Tolle Bild malte Sylvia Polster Mehr von ihren Bildern findest du bei der Drachenbande.

Doch in der vierten Nacht, da lockerte er sein Schwert, und sprach sich Mut und ging den Drachen zu erschlagen. Durch finsterste Nacht führte in sein Weg durch die Gänge des Drachenhortes, und der widerliche Brodem des Ungeheuers raubte ihm den Atem. Doch bald sah er einen schwachen Schein, so rot wie das Blut an den Wänden. Stärker wurde der Schein und immer stärker, und bald endete der Gang in einer riesigen Halle, von feuriger Glut aus dem Herzen der Erde fast wie der Tag so hell erleuchtet. Und in der Mitte saß der Drachen, riesig, und von großer Schönheit und unbändiger Kraft und Wildheit. Wie aus Gold und Silber glänzte das Rote Licht auf seinen Schuppen, und ein kaltes
Feuer, wie das Licht der Sterne, brannte in seinen Augen. Von solcher Schönheit war der Anblick, das der Held für einen Moment seinen Auftrag vergaß, und versank in diesem Bild der reinsten und klarsten Schönheit, und Angst vor diesem Wesen stieg in ihm auf. Doch er war ein echter
Held, und er überwand Angst und Verzückung über des Drachen Schönheit, und er hob sein blankes Schwert und mit seinem Kampfesruf stürmte er voran, seinem Feind entgegen. Und der Drache spie Feuer, ein tödliches, alles verzehrendes Feuer. Doch der von Magie und Kunstfertigkeit geschaffene
Schild des Helden hielt das Feuer ab.

Lange dauerte der Kampf, und die Gegner führten in mit tödlicher Verbissenheit. Eine Nacht und einen Tag dauerte der Kampf, und eine weitere Nacht neigte sich dem Ende zu als der Held endlich wusste daß er siegen würde.

Und dann erschlug der Held den letzten Drachen, und als der Drache starb, da verstand der Held. Der Drachen war das böse, er tötete und sähte Furcht und Zerstörung. Aber der Drache war auch Teil des Lebens der Menschen. Viel Leid brachte er, doch sein Bild, sein Feuer waren es die ihnen die Magie gaben. Der Drachen war der Preis der gezahlt werden mußte. Das Magische, das Fantastische, das Geheimnisvolle und das Abenteuer waren der Drache. Und der Held wusste, das er den Menschen
Sicherheit gegeben hatte, aber dafür ein Preis zu zahlen war, der vielleicht höher war als alles Leid.

Auch wir zahlten diesen Preis, und der Held war die Wissenschaft, der
Drache aber unsere Angst vor dem Dunkel.

Vielleicht war der Preis den wir zahlten zu hoch.
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